Microdermals (oder auch "Dermal Anchors", "Hautanker", "Skinplates" genannt) sind eine noch recht neue Entwicklung. Es handelt sich hierbei um kleine Schmuckstücke, die in die Haut gesetzt werden. Streng genommen ist ein Microdermal daher eine Kreuzung aus Implantat und Piercing. Eine Platte aus Titan, versehen mit Löchern, sorgt dafür, dass der Schmuck gut einwächst. Auf diesen "Fuß" können dann verschiedene Aufsätze geschraubt werden. Allerdings sollte der Schmuck nicht zu früh und auch nicht häufig gewechselt werden. 

 

Microdermals hinterlassen deutlich kleinere Narben als Surfacepiercings (Oberflächenpiercings) und heilen in der Regel deutlich schneller ab. Zudem kann man mit einem solchen "Single-Point-Piercing" einzelne Stellen betonen und ist in der Gestaltung z.B. in Kombination mit einem Tattoo deutlich freier.

 

Mit einem Biopsie-Punch oder einer Nadel wird eine Öffnung in die Haut präpariert. Danach wird der Schmuck in die Hauttasche eingeführt. Meist wird zuerst eine Scheibe auf das Gewinde geschraubt, weil diese während der Abheilphase die Wunde am wenigsten belastet und die Gefahr des Hängenbleibens minimiert wird. Der Vorgang klingt abschreckend, bereitet aber keine großen Schmerzen, daher ist eine Betäubung ist in den meisten Fällen nicht notwendig. Die Verletzung ist im Vergleich zu herkömmlichen Piercings minimal.

 

Das Risiko eines Microdermals ist neben unsachgemäßer Platzierung auch die Gefahr einer sich einkapselnden Infektion. Dies kann auch bei einem verheilten Schmuckstück noch passieren, da die gebildete Hauttasche nach außen offen bleibt und ein ideales Klima für Keime bieten kann. Es muss daher nicht nur beim Einsetzen sehr sauber gearbeitet werden, auch sorgfältige nachhaltige Hygiene beim Umgang mit dem Microdermal ist sehr wichtig!

Der Schmuck sollte in den ersten ein bis zwei Wochen mit einem umschließenden Pflaster geschützt und regelmäßig desinfiziert werden. Microdermals wirken sehr schnell verheilt, sind es aber noch nicht. Die Abheilung der Hauttasche dauert bis zu 4 Monaten.

 

Wenn sie ungünstig platziert sind, können auch Microdermals Abstoßreaktionen des Körpers hervorrufen und schnell herauswachsen. Es ist nicht jede Stelle geeignet. Das Risiko des Hängenbleibens muss bei der Platzierung bedacht werden, von allzu aufwendigen Aufsätzen ist abzuraten. Es gibt noch nicht viele Langzeiterfahrungen mit Microdermals, je nach Belastung halten sie nur wenige Jahre. Das ist aber sehr individuell und nicht pauschal vorhersehbar.

 

Anders als Piercings können Microdermals nicht durch einfaches Herausschrauben vom Träger selbst entfernt werden. Dazu muss man, wie zum Schmuckwechsel auch, erneut das Piercingstudio aufsuchen. Zur Entfernung muss eine minimale Öffnung der Haut erfolgen.

Die Narbenbildung ist dennoch vergleichsweise gering und ähnelt einer Aknenarbe.